Rüde oder Hündin: Für welchen Hund soll ich mich entscheiden?

Die Entscheidung ist gefallen, ein Hund kommt ins Haus. Egal, ob man nun einen Welpen oder einen Hund aus dem Tierheim in seiner Familie aufnehmen möchte, für die meisten ist die Entscheidung, ob es eine Hündin oder ein Rüde wird, von großer Bedeutung. Wir möchten euch hier einige Hinweise und Tipps geben, aufgrund welcher Faktoren ihr eine Entscheidung treffen könnt.

Betrachtet man erst einmal Rüden und Hündinnen einer Rasse, fällt in jedem Fall auf, dass der Rüde tendenziell größer und schwerer gebaut ist. Er hat in der Regel einen größeren Kopf und wirkt optisch präsenter. Bei langhaarigen Rassen besitzt er auch mehr Fell (Hinweis: bedeutet mehr Haar beim Fellwechsel). Allein aus diesen optischen Gründen bevorzugen einige Hundebesitzer Rüden – gerade bei großen Hunderassen. Entscheidet man sich für einen Mischling, kann man diese Kriterien, wenn der Hund noch nicht ausgewachsen ist, gar nicht wirklich anlegen, da man einfach nicht genau wissen kann, wie sich Aussehen und Körpergröße sich später entwickeln.

Nun gibt es einige Weisheiten, wie sich männliche Hunde von weiblichen Hunden unterscheiden. Hunde-Weibchen sollen verschmuster, anhänglicher sowie einfacher zu führen und erziehen sein. Rüden sollen dominanter, aggressiver und imposanter sein, die besseren Beschützer darstellen. Wie so oft im Leben kann man dies gar nicht so pauschal sagen und muss genauer hinsehen! Denn: Erst einmal ist das generelle Wesen eines Hundes ganz entscheidend, sehr individuell und insbesondere von der Hunderasse geprägt. Also, für welchen Job wurde er oder sie ursprünglich gezüchtet. Ein Schutz- und Hofhund wie beispielsweise ein Hovawart oder Dobermann hat einen ganz anderen Charakter und typisches Verhalten im Vergleich zu einem Jagdhund wie dem Apportierhund Labrador bzw. Golden Retriever oder einem Stöberhund wie dem Englischen Cocker Spaniel. 

So steht zu Beginn der Auswahl eines Hundes nicht die Wahl des Geschlechts, sondern viel mehr die Wahl der Rasse bzw. – bei Mischlingen – der möglichen Rassen sowie der entsprechenden Veranlagungen, die das Tier in sich trägt, im Vordergrund. 

Genetische Hintergründe von Hund oder Hündin

Will man das Wesen und Verhalten von Rüde oder Hündin besser einschätzen können, lohnt sich ein Blick auf das Leben und die Jobaufteilung wild lebender Hunde oder auch ihrer direkten Vorfahren, den Wölfen. Bei ihnen gab es eine klare Aufgabenverteilung, die für das Leben in freier Natur überlebenswichtig war und bis heute auch unsere Hunde prägt. So sind Rüden grundsätzlich für den externen Lebensbereich verantwortlich. Dazu gehört zum Beispiel das Markieren der Grenzen zur Absicherung des Rudels gegenüber fremden Rüden. Konkurrenten werden durch Imponierverhalten, wie aufrechten Gang, Präsenz und hoch erhobener Rute abgehalten – wenn es dumm läuft, auch durch Kämpfen. Ranghohe Rüden besitzen das Privileg zur Verpaarung mit den ranghohen Hündinnen. Hündinnen sind intern für das Rudel verantwortlich. Das hört sich veraltet an, ist aber für den Fortbestand und die Sicherheit des Rudels unabdingbar. Im Streitfall und bei Gefahr ist ein Rüde im Rudel einfach verzichtbarer. Die Hündinnen werden während der Trächtigkeit, Aufzucht und Pflege der Welpen verlässlich gebraucht. Die Jungs übernehmen erst nach ein paar Wochen Erziehungsaufgaben des Nachwuchses. Das heißt aber nicht, dass Hündinnen das schwache Geschlecht sind. Wenn es um einen Angriff ihres Territoriums – also insbesondere ihres Nestbereichs – geht, der klar in ihrer Verantwortung liegt, kämpfen sie kompromisslos, und es geht für den Eindringling ernsthaft zur Sache.

Was heißt das nun für unsere domestizierten Rüden und Hündinnen?

Gut sozialisierte Hunde mit normalem Verhalten zeigen dieses Verhalten schon. Rüden sind außenorientierter als Hündinnen. Beim Spaziergang schnüffeln sie viel mehr, markieren kräftig und häufig an für sie wichtigen Stellen wie Zäunen, Bäumen, Haufen oder Weggabelungen. Beginnt ein Rüde, pinkelt der zweite darüber. Rüden gehen im Freilauf ein Stück weiter weg. Kommt ein Artgenosse, machen sie sich groß und imposant mit hoch erhobener Rute. Sie sind rauflustiger, haben eine höhere Aggressionsbereitschaft als Hündinnen. In der Regel verlaufen ihre Kämpfe mit anderen Rüden aber harmlos, man einigt sich und geht dann seines Weges. 

Gut sozialisierte Hündinnen haben in der Regel kein Interesse an solchem Imponiergehabe. Fühlt sich eine Hündin aber belästigt und bedrängt, achtet der Artgenosse nicht auf ihre Hinweise, dann können sie schon mal, wie man so schön sagt, zickig werden. Kommt es dann tatsächlich zu Auseinandersetzungen zwischen Hündinnen, können diese wesentlich härter und leider auch blutiger sein, als man es den zarteren Wesen zutraut. 

Übrigens sagen viele Experten und Hundetrainer, dass Frauen mitunter besser starke Rüden und Männer leichter Hündinnen führen können. Ist es nicht bei dem Verhältnis von Vätern und Töchtern sowie Müttern und Söhnen so ähnlich?

Der große Unterschied zwischen Rüden und Hündinnen

Weibchen werden ca. ab ihrem 7. bis 14. Lebensmonat das erste Mal läufig. Kleinere Rassen in der Regel früher als größere. Zweimal im Jahr ist die Hundedame dann in der sogenannten „heißen Phase“. Dies schreckt einige potenzielle Hundebesitzer davon ab, sich für einen weiblichen Hund zu entscheiden, weil man unschöne Flecken auf Teppich & Co. befürchtet und auch die Verhaltensänderung, die die Fellnase dann durchlebt. Dies sollte aber bitte beides nicht überbewertet werden, und man kann sich gut darauf vorbereiten. Viele Hündinnen sind sehr reinlich und putzen sich ganz automatisch, außerdem helfen Höschen mit Einlagen, Flecken indoor erfolgreich zu vermeiden. Es stimmt, einige Hundedamen neigen dazu, sich nach ihrem Eisprung – zu der sogenannten Standzeit – auf die Suche nach einem potenziellen Rüden in der Umgebung zu machen. Hier sind dann verantwortungsvolle Vorsicht, Ablenkung, Training und ein sicherer Zaun angesagt. Ca. neun Wochen nach der Läufigkeit werden Hündinnen scheinschwanger. Das ist so weit ganz normal – auch wenn sie keine Welpen geboren haben, verändert sich u.a. aus ehemaligen Rudelgründen (die anderen Weibchen helfen der ranghohen Hündin bei der Aufzucht und dem Füttern des Nachwuchses) der Hormonhaushalt. Dies ist nicht bei allen Hündinnen immer so erkennbar. Einige benehmen sich aber dennoch seltsam, beginnen, ein Nest zu bauen, verteidigen es, werden etwas traurig und produzieren sogar Milch. Dies sollte man einfach wissen, wenn man sich für eine weibliche Fellnase entscheidet. Man muss sich aber nicht davor fürchten!

Rüden werden natürlich nicht läufig. Sie sind das ganze Jahr „bereit“ und an Mädels interessiert. Werden dann in der Nachbarschaft Hündinnen läufig – insbesondere im Frühjahr und Herbst –, dann sind sie auch aus der Ferne teilweise unbändig verliebt. Manche beginnen das Singen oder Jaulen, haben keinen Appetit mehr oder machen sich selbstständig auf den Weg zur Angebeteten. Kleiner Tipp aus der Erfahrung: Hier können Globuli wie Mönchpfeffer oder Oregano (Origanum Vulgare D 30) helfen. Außerdem ist es so, dass Rüden beim Gassigehen natürlich auch permanent gerne das Bein heben und markieren. Eine Hündin setzt sich nur einmal zum Pipimachen – es sei denn, es handelt sich um eine läufige Hündin, dann hebt Madame auch schon mal das Bein. Bereits jungen Rüden sollte man daher das Markieren von Beginn an nicht überall gestatten... 

Manchmal wird nun gesagt, eine Hündin sei anhänglicher und kuschelt lieber. Das kann sein, muss aber nicht. Es ist immer eine Frage des Typs Hund, seiner Erfahrung und seiner Prägung in seiner Menschenfamilie. Wir haben beispielsweise einen Labradorrüden in der Familie, der das Kuscheln quasi erfunden hat. Das kannten wir vorher nicht mal von unserer Hündin in dieser extremen Form. Wir vermuten, es kommt daher, dass die Züchterin schon mit ihm als Welpe sehr viel geschmust hat und wir es auch weiter getan haben. Außerdem zeigen seine Halbgeschwister dies ebenso extrem.

Problemlösung Kastration?

Einige, die den vorherigen Abschnitt gelesen haben, werden nun einfach denken: Ist doch gar kein Problem, dann kastrieren wir halt den Hund, und das Thema ist gelöst. Außerdem soll die Fellnase dann auch leichter zu erziehen sein. Soll dies nicht auch gegen verschiedene Krankheiten vorbeugend sein?

Ganz klar raten wir davon ab, diese Entscheidung so einfach zu treffen. In jedem Fall sollte man sich vom Tierarzt, dem Züchter, dem Hundetrainer oder einem anderen Experten beraten lassen. Denn kastrierte Hündinnen oder kastrierte Rüden sind danach nicht mehr dieselben. Diese Maßnahme ist im wahrsten Sinne des Wortes einschneidend. Der individuelle Charakter verändert sich, die Fellnasen werden träger, hungriger, und es handelt sich gerade bei Hündinnen um eine große Operation mit all ihren Risiken. Natürlich gibt es unabhängig davon auch medizinische Gründe oder erbliche Veranlagungen (Stichwort Krebs), weswegen man eine Fellnase kastrieren lassen sollte.

Entscheidet man sich dennoch bei einem Rüden für eine Kastration, ist es sinnvoll, es erst einmal mit einem sogenannten Hormonchip, der unter das Hundefell vom Tierarzt gespritzt wird, über 6 bis 12 Monate (so lange wirken die Chips in der Regel) auszuprobieren und erst danach wirklich den endgültigen Schritt via Operation zu beschreiten. Die Wirkung setzt in der Regel nach etwa drei Wochen ein. Auch dort hilft der Tierarzt gerne weiter.

Und: Bei Hundedamen unbedingt die erste Läufigkeit abwarten, damit die geistige und körperliche Entwicklung des Hundes abgeschlossen ist.

Geschlechtermix im Rudel?

Ihr habt schon einen Hund in eurer Familie und möchtet noch einen kleinen Welpen dazu nehmen? Dann ist es in jedem Fall sinnvoll, über die Geschlechterwahl genau nachzudenken. Denn das neue Familienmitglied muss zu eurem Tier passen! Manche Hündin reagiert auf eine zweite Hündin schon mal zickig, und es gibt Stress. Mit zwei Rüden gibt es seltener Probleme, wobei man sich bei zwei ausgewachsenen, starken Rüden dem auch später gewachsen fühlen muss. Pärchen sind großartig, aber was mit dem männlichen Artgenossen tun, wenn die Hündin läufig wird? Das geht also eher, wenn einer der beiden bereits kastriert ist. 

Unser Tipp: Probiert es vor dem Einzug langsam auf neutralem Gelände aus, ob die beiden Fellnasen sich gut riechen können. 

Generell finden Jungs Familienzuwachs toll. Die Hundedamen können bei fremden Welpen manchmal zunächst etwas abweisend sein. Nach dem Motto: „Geht der auch wieder?“

Unser persönliches Fazit: Jede Fellnase ist für den Mensch eine Bereicherung, ob weiblich oder männlich, wenn man sich über die Verantwortung, die man übernimmt, bewusst ist und sich kümmert.

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